Tablet mit Aufschrift Elefantitis

Elefantitis: Elefantenkrankheit – Ursachen, Symptome, Behandlung

Unter der Haut verlaufen die Lymphbahnen. Oft nicht beachtet, leisten diese einen wertvollen Dienst in unserem Körper, indem Sie Giftstoffe aus dem Körper abtransportieren. Diese Giftstoffe “schwimmen” in der sog. Lymphe, die in den Lymphknoten des Körpers gefiltert wird. Die Lymphe wird drucklos transportiert, also ohne Kontraktionen einer Pumpe wie beim Blutkreislauf. Die bekannteste Störung des Lymphsystems sind die geschwollenen Lymphknoten am Hals bei Fieber und Infekten.

Die Elefantitis, oft auch Elefantiasis oder Elefantenkrankheit genannt, ist die schwerste Erkrankung dieses Systems. Sie wird in mehreren Formen beschrieben. Sie tritt als Infektionskrankheit in Erscheinung, wobei Infektionen im gemäßigten Klima nicht vorkommen, sondern aus dem tropischen Raum importiert werden. Ansteckend durch Kontakt ist die Krankheit aber auch dann nicht, sie wird durch eine Mückenart oder Fadenwürmer übertragen.

Mücke - kann Elefantitis / Elefantenkrankheit übertragenIn den häufigsten Fällen handelt es sich jedoch um eine Störung des Lymphflusses durch Entzündungen in der Haut, durch welche die Lymphbahnen zerstört werden können. Oft handelt es sich hierbei um Nachwirkungen eines Erysipels (einer Entzündung des Unterhautgewebes) oder um die Folgen von mehrfach aufgetretenen oberflächlichen Venenentzündungen, sog. Thrombophlebitiden.

Auch als Sekundärerkrankung bei Tumorerkrankungen findet sich die Elefantitis häufig. Dabei wird das Lymphgewebe durch Bestrahlung oder durch eine radikale Operation zerstört und der Lymphabfluss ist dadurch verhindert. Einzig bei dieser Form weiß man unmittelbar nach dem Auftreten, dass es sich um eine Störung des Lymphabflusses handelt.

Vorsicht Verwechslungsgefahr!

Die Erkrankung macht sich nur langsam bemerkbar. Im Stadium I beginnt es mit einer Schwellung einer einzelnen Extremität. Die Tatsache, dass nur ein Bein oder ein Arm betroffen ist, ist das wichtigste Symptom im Vergleich zu den weitaus häufiger vorkommenden “Wassereinlagerungen” (Ödeme), die gerne vorschnell mit Diuretika behandelt werden. Diesem Umstand muss also große Aufmerksamkeit entgegengebracht werden.

Der Grund dafür ist, dass gerade in Deutschland Hausärzte bei Schwellungen der Extremitäten Ödeme diagnostizieren und diese dann mit sog. Wassertabletten behandeln möchten. Leider sind diese bei Lymphabflussschwierigkeiten jedoch nicht geeignet, ja sogar schwer schädlich. Dieser Schaden zeigt sich erst im weiteren Verlauf der Erkrankung in einer vorzeitigen Verfärbung und Austrocknung der Haut.

Als nächstes Symptom wird im Stadium II die Haut trocken und schuppig, und sie verfärbt sich dunkel. An diesem Punkt sollte jeder Arzt die Diagnose Elefantitis oder Elefantenkrankheit in Betracht ziehen.

Mann untersucht Fuß und Bein auf Elefantitis

Elefantitis ist eine Hautkrankheit

Die Diagnose einer Elefantitis ist schwierig zu stellen. Wie bereits erwähnt, wird sie im Anfangsstadium oft mit einem internistischen Ödem (“Wasser in den Beinen”) verwechselt. Allgemeinmediziner oder Internisten sind hier nicht die richtigen Ansprechpartner. Eine Elefantitis kann zuverlässig nur von einem Dermatologen diagnostiziert werden. Es handelt sich hierbei um eine Diagnose auf Sicht, es gibt keine Untersuchung im Labor oder bildgebende Verfahren, die eine solche Diagnose stützen würden.

Der Dermatologe wird auch unverzüglich die richtige Therapie einleiten. Diese besteht in allen Fällen aus der sogenannten Komplexen physikalischen Entstauungstherapie (KPE). Hierbei stützt man sich auf drei Säulen:

  • Manuelle Lymphdrainage
  • Kompression
  • Hautpflege

Die manuelle Lymphdrainage wird von erfahrenen Physiotherapeuten durchgeführt. Dabei wird versucht, die Lymphflüssigkeit manuell auszustreichen und zum Abfluss zu bringen. Als Betroffene muss man hier darauf achten, dass die Vorbereitung der Therapie über den ganzen Körper ausgeführt wird, die Lymphknoten besonders am Hals und die großen Lymphgefäße am Bauch müssen hierbei stimuliert werden, damit sie auf den erhöhten Zufluss durch die manuelle Therapie vorbereitet sind. Durch gezielte Griffe auf der Haut wird dann die Flüssigkeit weitergeleitet, und der Lymphfluss angeregt.

Nach der manuellen Therapie muss man Extremität zwingend bandagiert werden. Hierzu eignen sich spezielle Kurzzug-Binden oder maßgefertigte Kompressionsbestrumpfung, die im Sanitätshaus erhältlich ist.

Die Hautpflege ist das dritte Element der komplexen physikalischen Entstauungstherapie. Bei der Elefantitis oder Elefantenkrankheit handelt es sich um eine Hautkrankheit, der Name der Krankheit leitet sich vom Hautbild im Stadium III der Erkrankung ab. In diesem Stadium wird die Haut nicht mehr nur schuppig und verfärbt, sondern sie bildet über die gesamte Extremität Krusten aus, die dann aufbrechen und aussehen wie Elefantenhaut. Die Transformation in das Stadium III dauert mehrere Jahre. Zu diesem Stadium sollte es bei konsequenter Anwendung der beschriebenen Therapie nicht kommen.

Elefantitis, Elefantiasis oder Elefantenkrankheit ist nicht heilbar, man kann mit den beschriebenen Maßnahmen aber die Symptome gut beherrschen und ein Leben ohne Einschränkungen führen.

Vorbeugung ist nicht möglich

Vorbeugend kann man nur wenig gegen das Auftreten der Elefantenkrankheit tun, erst wenn die ersten Symptome auftreten ist es möglich, die Ausdehnung zu verhindern. Die Therapie sollte so früh wie möglich einsetzen.
Eigenverantwortlich wird hier nur die Hautpflege durchgeführt, dabei ist es wichtig, dass die Betroffenen auf hochwertige Produkte Wert legen, die möglichst wenig fetten, aber einen hohen Wert an Urea aufweisen. Lotionen oder spezielle Pflegeschäume sind hier zu bevorzugen.

Ebenfalls wichtig ist es, Verletzungen im betroffenen Areal zu verhindern, da diese schlecht verheilen und oft über Monate hinweg Schwierigkeiten machen.

Zusammengefasst kann man sagen, dass man wirklich darauf achten sollte, ob die Extremitäten wirklich parallel beidseitig geschwollen sind. Sollte nur ein Bein oder ein Arm anschwellen dann sollte der Hausarzt aufgesucht werden. Ein Lymphödem, die Vorstufe zur Elefantenkrankheit lässt sich durch den sog. Drucktest nur minimal wegdrücken. Nach Möglichkeit sollte zeitgleich ein Dermatologe konsultiert werden, der die Diagnose bestätigt und die erforderlichen Therapieschritte sofort einleitet, dann besteht eine Chance darauf, dass die Auswirkungen der Erkrankung möglichst gering bleiben.

Bei der Therapie sind die Bandagierungen für viele der schwierigste Teil, aber sie müssen konsequent täglich getragen werden und dabei regelmäßig erneuert werden. Wer sich für Kurzzug-Binden entscheidet, der muss zudem für eine ausreichende Polsterung sorgen. In der Apotheke gibt es hierfür verschiedene Lösungen, eine Beratung dazu kann man von einem guten Physiotherapeuten bekommen. Das deutsche Lymphnetzwerk hält eine Liste von Physiotherapiepraxen bereit, die sich auf die Behandlung rund um die Elefantitis spezialisiert haben.

Bildernachweis:
Titelbild – Elefantitis Urheber: lculig / 123RF Lizenzfreie Bilder
Mücke Urheber: CC0 Public Domain-Pixabay.com
Hautpflege Urheber: catalin205 / 123RF Lizenzfreie Bilder

 

About Andrea Bianchi

Ich bezeichne mich selbst als liberal eingestellten Weltbürger und praktiziere einen staatenlosen Lebensstil. Ich bin leidenschaftlicher, freier Journalist, ehemaliger Sportlehrer und Esse für mein Leben gerne (gesund).