Knalltrauma – Ursachen, Sypthome und Behandlung

Plötzlich einsetzender, starker Lärm z.B durch einen Silvesterböller oder einen platzender Autoreifen, können zu einer kurzfristigen Schädigung des Gehörs führen. Diese Form des akustischen Traumata wird als Knalltrauma bezeichnet. Die Betroffenen sind durch die plötzliche Verschlechterung ihres Hörvermögens verständlicherweise in Sorge und fürchten sich vor einem irreversiblen und vollständigen Hörverlust. Doch durch welche Symptome wird dieses akustische Trauma geprägt, welche Ursachen hat es und wie wird es behandelt?

Was ist ein Knalltrauma und wie entsteht es?

Trifft ein erhöhter Schalldruck auf das Ohr, wird vor allem das Innenohr in Mitleidenschaft gezogen. Denn die Haarzellen des Innenohres können die Schwingungen, die von der Geräuschquelle ausgehen, nicht mehr in bioelektrische Energie umwandeln, da sie durch die Intensität des Geräuschs schier überlastet sind. In der Folge wird die Hörfunktion gestört und die typischen Symptome des Knalltraumas zeigen sich.

Wenn der Schalldruck eine gewissen Schwelle übersteigt, sei es durch sehr kurzen Schall oder Lärm über 150 Dezibel, können zusätzlich zu den Störungen der Haarzellen des Hörorgans noch Risse an der Basilarmembran oder andere mechanische Schädigungen des Innenohrs auftreten. Kennzeichnend für diese Art des akustischen Traumata ist, dass es durch eine kurze Druckwelle ausgelöst wird.
Nicht verwechseln sollte man das Knalltrauma mit einem Explosionstrauma, welches durch länger einwirkende Schallwellen ausgelöst wird, aber sich durch ähnliche Symptome äußern kann.

Bild OhrenschmerzenWelche Symptome kennzeichnen ein Knalltrauma?

Wer von einem Knalltrauma betroffen ist, leidet häufig über einen kurzzeitigen Hörverlust auf dem betroffenen Ohr, einer Schwerhörigkeit und ausgeprägten Ohrgeräuschen (Tinnitus). Zusätzlich klagen einige Patienten noch über Gleichgewichtsstörungen, Schwindel und einen kurzen, aber heftigen Schmerz. Ebenfalls typisch für ein Knalltrauma ist das Gefühl, eine Verstopfung im Ohr zu haben. Je nachdem wie die Druckwelle auf den Betroffenen getroffen ist, kann das Trauma nur ein oder gleich beide Ohren betreffen.

Die Haarzellen in einem gesunden Ohr sind normalerweise dafür verantwortlich, leise Töne besser hörbar zu machen und den Klang von lauten Tönen abzudämpfen. Doch bei einem Knalltrauma, wenn die feinen Haarzellen beschädigt wurden, werden laute Geräusche schnell als unangenehm laut empfunden. Daher gehört auch die Geräuschüberempfindlichkeit zu den typischen Symptomen eines Knalltraumata.
Die Schädigung des Ohrs kann nach einigen Stunden oder Tagen wieder verschwinden oder es bleibt eine dauerhafte Hörschädigung zurück. Dafür muss das Knalltrauma aber recht massiv gewesen sein.

Hier noch einmal die Symptome im Überblick:
  • kurzzeitiger Hörverlust
  • Schwerhörigkeit
  • Tinnitus
  • Gleichgewichtsstörungen und Schwindel
  • kurzer Schmerz
  • Geräuschüberempfindlichkeit
  • Gefühl, ein verstopftes Ohr zu haben

Welche Ursachen hat ein Knalltrauma?

Für das Knalltrauma verantwortlich ist ein kurzer, aber sehr lauter Schall. Solch ein lauter Schall kann durch einen Pistolen Schuss, durch einen explodierenden Feuerwerkskörper, einen zerplatzenden Reifen oder eine sehr laut zuschlagende Tür entstehen. Der Schall führt zu einer Beschädigung der sensiblen Haarzellen im Innenohr und verursacht die typischen Knalltrauma Symptome.

Bild UntersuchungDiagnose eines Knalltrauma

Wer die Vermutung hat, unter einem akustischen Trauma zu leiden, sollte umgehend einen Facharzt aufsuchen. Dieser wird eine Gehörprüfung bzw. ein Audiogramm durchführen. Beim Audiogramm wird eine Hörkurve erstellt, in dem die Hörbarkeit von unterschiedlichen Tonhören sichtbar gemacht wird. Stellt der Arzt vor allem eine Innenohrschwerhörigkeit im Bereich von hohen Tönen im Bereich um 4000 Hertz fest, kann dies ein Indikator für ein Knalltrauma sein.

Um eine gesicherte Diagnose stellen zu können, wird in der Regel ein sogenannter SISI-Test durchgeführt. Bei diesem Test wird die Spanne zwischen der Hörschwelle und dem hörbaren Bereich festgestellt, in dem die Töne unerträglich laut und nur noch unter Schmerzen wahrgenommen werden. Bei einem Menschen mit einem akustischen Trauma wird die Spanne der Hörkurve viel enger gefasst sein als bei einem gesunden Menschen. Diese kleiner als bei Normalhörenden ausfallenden Spanne zwischen Hörschwelle und Unbehaglichkeitsschwelle des Hörbereiches wird auch als positives Recruitment bezeichnet und festigt die Diagnose Knalltrauma.

Die Therapie des Knalltraumata

Bei einem akuten Knalltrauma besteht die erste therapeutische Maßnahme zumeist in einer Infusionsbehandlung mit Hydroxyethylstärke und Procain. Zusätzlich werden häufig noch durch durchblutungsfördernde Medikamente in die Infusion gegeben. Durch die Infusion soll die Versorgung der Haarzellen mit Sauerstoff sichergestellt und die Erholung der geschädigten Haarzellen gefördert werden.

Zeigt die Infusion keine Wirkung, kann eine Sauerstofftherapie begonnen werden. Besonders bei der Sauerstofftherapie ist es wichtig, dass mit der Behandlung so schnell wie möglich begonnen wird. Bei dieser Form der Therapie wird dem Patienten Sauerstoff durch Überdruck dargereicht. Kann auch mit der Sauerstofftherapie keine Erholung der geschädigten Haarzellen erreicht werden und liegen zusätzlich noch schwere mechanische Verletzungen des Innenohrs vor, kann eine Operation angezeigt sein. Dies gilt besonders für den Fall, dass ein oder beide Fenster des Innenohres in Mitleidenschaft gezogen wurden oder sich eine Fistel zwischen dem Perilymphraum und dem Mittelohr gebildet hat.
Führt auch diese Operation zu keinem befriedigenden Ergebnis, kann über den Ausgleich des Hörverlusts bzw. das herabgesetzte Hörvermögen durch ein Hörgerät ausgeglichen werden.

Medizinische Prognose beim Vorliegen eines Knalltraumata

Grundsätzlich ist die Prognose beim Vorliegen eines Knalltraumata sehr gut. Innerhalb weniger Tage oder spätestens Wochen werden die Symptome immer schwächer und verschwinden in vielen Fällen sogar vollständig. Sollten jedoch nach sechs Wochen immer noch Beschwerden im Zusammenhang mit dem Knalltrauma wie Schwerhörigkeit, ein Tinnitus oder sogar ein Hörverlust auf einem Ohr vorhanden sein, ist die Schädigung irreversibel. Grundsätzlich gilt, dass je früher mit der Knalltrauma Therapie begonnen wird, desto größer sind die Chancen auf eine vollständige Genesung.

Zusammenfassung:
Ein Knalltrauma ist eine Schädigung des Innenohrs, das durch kurz einwirkenden Lärm verursacht werden. Die Schädigung des Innenohrs entsteht durch einen zu großen Schalldruck, der die Haarzellen des Innenohrs in Mitleidenschaft zieht. Ausgelöst werden kann der Schalldruck durch einen Pistolenschuss, einen platzenden Autoreifen oder eine zuschlagende Tür. Typische Symptome des Knalltraumata sind der Hörverlust auf einem oder beiden Ohren, eine Schwerhörigkeit oder ein Tinnitus. Beim Facharzt kann das Knalltrauma durch spezielle Untersuchungen wie ein Audiogramm diagnostiziert und die Behandlung so schnell wie möglich eingeleitet werden. Denn je schneller die Therapie des akustischen Traumata beginnt, desto besser sind die Chancen auf vollständige Heilung. Die Mittel der Wahl bei der Behandlung des Knalltrauma sind die Infusion, die Sauerstofftherapie und nur in Ausnahmefällen ein chirurgischer Eingriff. In der Regel ist die Prognose beim Vorliegen eines Knalltraumata sehr gut. Symptome, die nach sechs Wochen immer noch deutlich spürbar sind, können jedoch irreversibel sein und müssen durch ein Hörgerät ausgeglichen werden.
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About Andrea Bianchi

Ich bezeichne mich selbst als liberal eingestellten Weltbürger und praktiziere einen staatenlosen Lebensstil. Ich bin leidenschaftlicher, freier Journalist, ehemaliger Sportlehrer und Esse für mein Leben gerne (gesund).