Parodontitisbehandlung

Parodontosebehandlung -Therapien, Risiken, Erfolgsfaktoren

Parodontose – wie funktioniert die Behandlung und wie erfolgreich ist sie?

Bei der der Parodontose vorgehenden Parodontitis handelt es sich um eine Infektionskrankheit, verursacht durch unterschiedliche Bakterienarten im Mund. Die Erreger gehen unter Umständen von Mensch zu Mensch über, sodass die Übertragung von den Eltern auf den Nachwuchs erfolgt. Sie siedeln sich auf dem Zahnbelag an und bilden den Biofilm Plaque. Vorrangig setzt sich dieser in den Zahnzwischenräumen und am Zahnfleischrand ab. Durch Giftstoffe und Säuren, welche die Bakterien ausscheiden, entsteht die als Gingivitis bezeichnete Zahnfleischentzündung.

In der Folge treten Schwellungen am Zahnfleisch auf, was zusätzlich die Zahnpflege erschwert. Die daraus resultierenden Zahnfleischtaschen beherbergen weitere Keime, die eine Entzündung des Zahnbetts auslösen. Greift diese die Knochen an, zieht sich das Zahnfleisch zurück. Es legt die Zahnhälse frei, sodass die Zähne länger aussehen. Durch den Prozess bildet sich gleichzeitig das Gewebe in den Zahnzwischenräumen, die Papille, zurück. Sofern die bakterielle Infektion Knochen- und Bindegewebe beeinträchtigt, sprechen die Zahnärzte von der Parodontose.

Laut der fünften Deutschen Mundgesundheitsstudie, veröffentlicht im Jahr 2016, leiden 43 Prozent der 35 bis 44-Jährigen unter einer moderaten Parodontose. Bei acht Prozent der Patienten liegt die schwere Form der gesundheitlichen Komplikation vor. Die hohe Prävalenz verdeutlicht die Relevanz einer effektiven Behandlung der Erkrankung.

Parodontitis
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Welche Faktoren begünstigen die Parodontose?

Oftmals häufen sich die Parodontitis-Vorfälle innerhalb einer Familie. Der Umstand belegt, dass die Anfälligkeit für die Krankheit bereits im Erbgut liegt. Zusätzlich existieren Risikofaktoren, die den Zahnfleischrückgang begünstigen. Beispielsweise führt eine mangelhafte Mundhygiene zu einer Zahnbettentzündung. Unregelmäßiges oder fehlerhaftes Putzen entfernt die Bakterien im Mundraum nur ungenügend. Dadurch bleibt ein Zahnbelag, der als Nährboden für weitere Erreger dient.

Sobald der Zahnbelag verkalkt und Mineralien einschließt, bildet sich der Zahnstein. Durch ihn erhält das Gebiss eine raue Oberfläche, welche die Ausbreitung der Bakterien begünstigt. Zudem führt beispielsweise regelmäßiges Rauchen zu der Parodontitis. Nikotin beeinträchtigt die Durchblutung des Zahnfleischs, worunter die Immunabwehr leidet. Gleiches gilt, wenn chronische Krankheiten die körpereigenen Abwehrkräfte schwächen. Demnach gelten eine ungesunde Ernährung sowie psychischer Stress als Auslöser für das gesundheitliche Problem.

Vor der Behandlung: Parodontitis feststellen

Bevor eine Parodontosebehandlung beginnt, überprüft der Zahnarzt die Beschädigung des Gebisses in einer Voruntersuchung. Anhand des Befunds erstellt er einen auf den Patienten zugeschnittenen Behandlungsplan. Bei der parodontologischen Befunderhebung spielt beispielsweise die Tiefe der Zahnfleischtaschen eine Rolle. Ebenso kontrolliert der Mediziner den Plaquebefall, die Beweglichkeit der Zähne und die Ausprägung des Entzündungsprozesses. Bei der Vorbehandlung reinigt er zunächst die Zähne. Zu dem Zweck kommen spezielle Handinstrumente, Scaler und Küretten, zum Einsatz.

Härtere Beläge beseitigen geeignete Geräte, die beispielsweise mit Ultraschall oder Rotation arbeiten. In der Regel erhalten die Betroffenen im Vorfeld eine örtliche Betäubung. Für den Mediziner existieren mehrere Optionen, um die Parodontitis zu diagnostizieren. Um eine Früherkennung der gesundheitlichen Komplikation zu gewährleisten, setzt er den PSI ein. Die Abkürzung steht für “Parodontaler Screening-Index“. Als Messinstrument stehen die Parodontalsonde oder die WHO-Sonde im Mittelpunkt. Sie stellt die Tiefe der Zahnfleischtaschen – den Platz zwischen Zahn und Zahnfleisch – fest.

Des Weiteren kontrolliert der Dentist die Blutungsneigung des Zahnfleischs und die Schwere des Zahnsteins. Stellt er Auffälligkeiten am Parodontium fest, unterstützen Röntgenaufnahmen die Voruntersuchung. Durch sie stellt der Arzt zurückgebildete Kieferknochen fest. Anhand der gesammelten Ergebnisse diagnostiziert er die Schwere und die exakte Form der Parodontitis. Sofern eine Beschädigung des Knochens vorliegt, weist er die Betroffenen auf die Erkrankung Parodontose hin.

Wie erfolgt die Behandlung der Parodontose?

Bei der Therapie der Parodontitis, die sich schlimmstenfalls zur Parodontose auswächst, existieren zwei Hauptziele. Zunächst versucht der Zahnarzt, die Entzündung zu stoppen. Ebenso steht die Erhaltung des stützenden Gewebes im Mundraum im Fokus. Bei einer frühen Diagnose der gesundheitlichen Komplikation kommt es zu einer Basisbehandlung. Hierbei liegt das Augenmerk darauf, den Entzündungsprozess zum Abklingen zu bringen. Folgt nicht das erhoffte Ergebnis oder liegt eine schwere Parodontitis vor, unterziehen sich die Patienten einem chirurgischen Eingriff. Um die Gefahr einer erneuten Entzündung zu bannen, erweist sich die dauerhafte Nachsorge durch einen spezialisierten Zahnarzt als sinnvoll.

Die Basisbehandlung – wie funktioniert sie?

Die Parodontosebehandlung bringt nur Erfolge, wenn die Patienten auf eine sorgfältige Zahnpflege achten. Eine weitere Voraussetzung besteht in dem Entfernen der vorhandenen Zahnbeläge. Bei der Maßnahme reinigt der Mediziner die Zahnfleischtaschen, um härtere Beläge zu beseitigen. Die Betroffenen bekommen eine örtliche Betäubung, um die Schmerzen bei der Behandlung zu reduzieren.

Im Verlauf der Therapie glättet der Arzt die erreichbaren Flächen der Zahnwurzeln. Dadurch bleibt den Bakterien kaum eine Möglichkeit, sich dort festzusetzen. Bei einer leichten Parodontitis klingt die Entzündung durch den Prozess ab. Geschieht dies nicht, verschreibt der Dentist zusätzlich Antibiotika. In der Regel nehmen die Patienten diese in Tablettenform ein. Alternativ setzt er die Arznei als Gels oder Salbe direkt in die Zahnfleischtasche ein. Um die Art des Medikaments zu bestimmen, identifiziert er die Keime. Dazu verwendet der Dentist Bakterientests, deren Ergebnisse ein Labor auswertet.

Parodontosebehandlung

 

Was geschieht bei einer chirurgischen Parodontosebehandlung?

Funktioniert das Säubern der Zahnfleischtaschen nicht bei einer geschlossenen Zahnfleischbehandlung, folgt die offene Zahnfleischtherapie. Hierbei löst der Mediziner das Zahnfleisch vom Knochen. Es kommt darauf an, die Wurzeloberflächen freizulegen, um tiefere Beläge zu beseitigen. Verläuft die gesundheitliche Komplikation über einen längeren Zeitraum, zerstört sie das Bindegewebe und die Knochen. Dadurch verlieren die Zähne ihren Halt und lockern sich. In dem Fall sorgen die Zahnärzte für eine Regeneration des Zahnhalteapparats.

Eine Möglichkeit besteht beispielsweise in der gesteuerten Geweberegeneration, kurz GTR. Die Abkürzung steht für “Guided Tissue Regeneration”. Ihr Ziel besteht darin, die natürliche Heilung des Zahnfleischs und des Bindegewebes in Gang zu bringen. Während einer kleinen Operation bringt der Arzt zu dem Zweck eine dünne Membran – eine Folie – zwischen dem Knochen und dem Zahnfleisch an. Diese verhindert, dass Letzteres unkontrolliert in die Tiefe wächst. Wurzelhaut, Wurzelzement und Knochen brauchen für das Wachstum länger als das Zahnfleisch. Die Membran verleiht ihnen die nötige Zeit, um sich gesund zu bilden.

Eine weitere Option besteht darin, Wachstumsmittel in den geschädigten Zahnhalteapparat einzubringen. Durch die Substanzen verhindern die Mediziner den Rückgang des Zahnfleischs und unterstützen gleichzeitig die Neubildung der Knochen. Ebenso bilden sich durch sie die schädlichen Zahnfleischtaschen zurück. Beispielsweise trägt der Arzt die Wirkstoffe als Gel auf die gesäuberten Wurzeloberflächen auf. Führte die Parodontose bereits zu massiven Schäden an den Knochen, erhält das Einbringen neuer Knochen oder Knochenersatzmaterialien Priorität.

Die Maßnahme funktioniert durch die Transplantation von körpereigenem Knochenmaterial. Dabei entnimmt der Arzt die benötigten Stücke aus dem hinteren Kieferbereich. Durch das Einsetzen in die defekte Stelle – Knochentasche genannt – gelingt der Aufbau des Knochengewebes. Einen ähnlichen Erfolg bringen synthetische Knochenersatzmaterialien. Bei dem chirurgischen Eingriff setzen sich die Mediziner die Optimierung der Knochenstruktur zum Ziel. Mit dem heutigen Wissensstand liegt eine vollständige Regeneration nicht im Bereich des Möglichen.

Durch plastische Operationen das Zahnfleisch rekonstruieren

Liegen nach der Zahnbettentzündung Zahnhälse oder ganze Zahnwurzelabschnitte frei, nimmt der Zahnarzt den Wiederaufbau des Zahnfleischs in Angriff. Die Behandlung erhält Relevanz, da offene Wurzelbereiche die Optik stören und den Nährboden für Bakterien bilden. Nicht zuletzt liegt dies an dem Umstand, dass sie eine gründliche Reinigung des Mundraums erschweren. Sie erhöhen das Risiko für eine erneute Entzündung oder die Wurzelkaries. Bei der Rekonstruktion des Zahnfleischs existieren unterschiedliche Operationsmethoden. Beispielsweise entnimmt der Dentist Bindegewebe aus dem Gaumen und setzt es an den defekten Stellen ein.

Risiken und Erfolgsfaktoren der Therapie

Die Therapie der Parodontose geht mit Risiken einher. Gelangen die zu entfernenden Bakterien ins Blut, droht eine lebensbedrohliche entzündliche Herzerkrankung, die Endokarditis. Vorrangig Herzpatienten profitieren vor der Therapie von der prophylaktischen Einnahme antibiotischer Medikamente. Vor dem Beginn der Behandlung legen sie dem Zahnarzt ihren kardiologischen Untersuchungspass vor. Von zeitnahen positiven Resultaten profitieren die Patienten, wenn eine frühzeitige Diagnose der Parodontose erfolgt.

Parodontosebehandlung: das Fazit und die Patientenempfehlung

Um die Zahnfleischentzündung sowie die aus ihr resultierende Zahnbetterkrankung zu identifizieren, suchen die Patienten regelmäßig ihren Zahnarzt auf. Zum rückstandslosen Beseitigen der Bakterien in den Zahnfleischtaschen eignet sich eine Laserbehandlung. Aufgrund ihres antibakteriellen Effekts erhält diese Art der Therapie in der Parodontalchirurgie zunehmend Bedeutung. Erkranken die Betroffenen an der Parodontitis, benötigen sie eine ständige Nachsorge, da es sich um eine chronische Krankheit handelt.

Bildernachweis:
Titelbild – Urheber: hightower_nrw / 123RF Lizenzfreie Bilder
Parodontitis – Urheber: choreograph / 123RF Lizenzfreie Bilder
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About Andrea Bianchi

Ich bezeichne mich selbst als liberal eingestellten Weltbürger und praktiziere einen staatenlosen Lebensstil. Ich bin leidenschaftlicher, freier Journalist, ehemaliger Sportlehrer und Esse für mein Leben gerne (gesund).