2 Becher mit gelbem, stinkenden Urin

Stinkender und Riechender Urin – Ursache und Behandlung

Menschlicher Urin, der in den Nieren hergestellt wird, ist ein flüssiges Ausscheidungsprodukt, durch das zum Beispiel giftige Stoffwechselabbauprodukte aus dem Körper herausgespült werden. Des Weiteren dient der Urin zur Regulierung des Flüssigkeit- und Elektrolythaushalts im Körper. Ist dieser Prozess gestört oder ist etwas im Körper nicht in Ordnung, kann sich das auch im Urin, beziehungsweise seinen Eigenschaften niederschlagen.

Somit können etwa stinkender oder riechender Urin Anzeichen für eventuelle Störungen oder zumindest Anomalien sein, denn im Normalfall riecht der Urin nicht. Neben den Geruchseigenschaften kann auch die Farbe des Urins wichtige Hinweise auf die Gesundheit liefern.

Stinkender Urin: nicht automatisch ein beunruhigendes Zeichen

Da vom “normalen” Urin ein neutraler Geruch ausgeht, bzw. dieser zumeist geruchlos ist, stutzt man unter Umständen, wenn man beim Wasser lassen plötzlich einen Geruch wahrnimmt und kommt somit zunächst ins Grübeln. Riechender oder auch zum Teil stinkender Urin kommen am häufigsten durch bestimmte Nahrungsmittel vor, die besondere chemische Prozesse im Körper und in den Nieren hervorrufen und somit beim Abbau dieser Produkte einfach riechen- ähnlich wie zum Beispiel beim Stuhlgang.

Einige Lebensmittel, die den Urin zum Riechen bringen sind etwa Spargel, Eier, zum Teil auch Gemüse, aber auch Knoblauch oder Zwiebeln können riechenden Urin begünstigen.
Der Grund: diese Lebensmittel enthalten sehr viel Schwefel, dessen Schwefelverbindungen im Körper abgebaut und in Ammoniak umgewandelt werden. Ammoniak wiederum setzt den typischen Ammoniakgeruch frei – der Urin riecht übel oder stinkt sogar. Auch Kaffee oder Alkohol können dafür sorgen, dass stinkender Urin entsteht. Dieser ist zwar unangenehm, in diesem Kontext aber vollkommen harmlos.

Riechender oder stinkender Urin muss nicht nur mit gewissen Nahrungsmitteln zusammenhängen, sondern kann auch durch eine Schwangerschaft merklich beeinflusst werden. Grund dafür sind die hormonellen Umstellungen, denen sich der Körper ausgesetzt sieht – und diese Umstellungen machen auch nicht vor den Nieren bzw. der Urinproduktion Halt. In diesem Falle kann riechender Urin auftreten, Schwangere sollte sich hierbei jedoch keine Sorgen machen, bzw. bei Unsicherheiten ihren Frauenarzt fragen, der die Schwangere zumeist sehr schnell beruhigen kann. Spätestens nach der Schwangerschaft sollte riechender Urin allerdings kein Thema mehr sein, da sich auch die Hormone wieder “normalisieren”.

Schwangere Frau mit Tabketten in Hand - Schwangerschaft kann eine Ursache für stinkenden Urin sein

Stinkender Urin durch Medikamente als harmlose Nebenwirkung

Riechender Urin kann neben Ernährung und einer Schwangerschaft auch von diversen Medikamenten hervorgerufen werden, ist aber auch als harmlos einzustufen. Spezielle Medikamente wie Penicillin oder auch eingesetzte Medikamente zur Krebs/Chemotherapie wie Zytostatika, lösen einen riechenden Urin aus. Hier wird somit die stoffliche Zusammensetzung des Urins beeinflusst, nicht nur der Geruch, sondern auch das Aussehen kann sich verändern: ist der Urin im Normalfall leicht gelblich, kann er bei den genannten Medikamenten auch schon einmal trüber ausfallen.

Riechender Urin als Warnzeichen bei Krankheiten

Neben den harmlosen Gründen für stinkenden Urin, können jedoch auch leichte oder auch schwere Erkrankungen hinter dieser Eigenschaft stecken.
Eine häufige Ursache ist hier vor allem der Harnwegsinfekt: dies kann eine Nierenbecken-, Blasen- oder Prostataentzündung sein, die unter dem Begriff “Harnwegsinfekt” zusammengefasst werden. Bakterielle Erreger in den Harnwegen stellen oft die Übeltäter für Harnwegsinfekte dar, da sie- wie wir Menschen – ebenso Stoffwechsel- und Abfallprodukte ausscheiden. Diese sorgen somit für den Infekt und auch riechenden, bzw. stinkenden Urin.

Neben diesem Symptom verändert sich auch der Urin von seiner Färbung her: von einer dunklen Nuance, bis hin zu blutig verfärbtem Urin, ist alles möglich.
Zudem werden auch Schmerzen beim Wasser lassen, sowie mitunter Fieber, Schmerzen im unteren Bauchbereich als weitere Symptome auftreten. Neben Bakterien können auch Pilze und Viren der Ausgangspunkt dieser Infekte sein und sind für den stinkenden Urin verantwortlich. In diesen Fällen sollte schnellstmöglich ein Arzt aufgesucht werden, der den Infekt behandelt. Nach erfolgreicher Therapie ist stinkender Urin kein Thema mehr.

Eine andere, krankhafte Ursache für stinkenden und riechenden Urin, bilden vor allem diverse Stoffwechselerkrankungen. Wer beispielsweise unter Diabetes leidet, für den ist stinkender Urin oder riechender Urin oft Alltag. Dieser Umstand liegt bei der Diabetes vor allem am Blutzuckerspiegel, der auch die chemische Zusammensetzung des Urins beeinflusst.

Andere Krankheitsbilder, die vor allem im Zusammenhang mit einer Störung im Säure-Basen-Haushalt stehen, lösen unter anderem riechenden Urin aus. Der Säure-Basen-Haushalt kontrolliert und regelt den PH-Wert des Blutes, aber auch diverser Organe – ein Ungleichgewicht dieses Haushaltes kann also mitunter sehr gefährlich für den Körper werden. Auch Störungen des Fettstoffwechsels oder des Aminosäurenstoffwechsels sind hier zu nennen. Krankheiten, die in diesem Zusammenhang stehen, sind beispielsweise Gicht, Fettleber, Azidose (hier ist der PH-Wert des Blutes gestört) oder auch genetische Krankheiten wie die Ahornsirupkrankheit.

Knoblauch und Zwiebeln - oft Grund für riechenden Urin

Stinkender Urin: die Behandlung

Je nach Krankheit und Diagnose wird natürlich nicht der riechende Urin als alleiniges Merkmal behandelt, sondern die Krankheit, in deren Heilungsprozess auch der riechende Urin im günstigen Falle verschwindet. Ist die Ursache für den üblen Uringeruch hingegen etwa auf bestimmte Nahrung oder Medikamente zurückzuführen, kann man selbst schon einiges tun, um den Uringeruch zu bekämpfen.

Am einfachsten ist es, wenn etwa Knoblauch, Eier etc. zu dem unangenehmen Geruch beitragen. Hier gilt der Rat, den Verzehr dieser Lebensmittel einfach einzuschränken, sie aber nicht komplett vom Essensplan zu streichen, da die Lebensmittel auch zu einer gesunden Ernährung gehören und das Wohlbefinden steigern. Riechender oder stinkendener Urin ist in diesem Falle wohl das kleinere Übel, mit dem man sich wohl oder übel arrangieren sollte. Anders sieht die Sache mit der Ernährung aus, wenn feststeht, dass der Grund für den stinkenden Urin beispielsweise Diabetes ist. Hier ist besonders zuckerfreie Ernährung Pflicht, bei der oben erwähnten Ahornsirupkrankheit ist es hingegen notwendig, Proteine einzuschränken.

Bei einer genauen Ernährungsumstellung hilft in jedem Falle der Arzt oder geschultes Personal.

Vorsichtig sollte man auch sein, wenn es um Medikamente geht, die während einer Krankheit eingenommen werden müssen. Gerade bei Harnwegsinfekten sind Antibiotika dringend erforderlich, um die Bakterien schnell in den Griff zu bekommen und eine Ausbreitung der gesamten Krankheit zu verhindern. In diesem Falle muss man sich einfach mit riechendem Urin zufriedengeben, da der Heilungsverlauf der Krankheit selbstverständlich über diesem Symptom steht.

Fieberthermometer und Tabletten für Harnwegsinfekt

Wann sollte prinzipiell der Arzt hinzugezogen werden?

Wird stinkender Urin bemerkt, gilt es zunächst zu überprüfen, ob etwas Harmloses dahintersteckt. Dies sind, wie oben bereits angeführt wurde, vor allem die Aufnahme bestimmter Nahrungsmittel oder auch eine Schwangerschaft. In diesen beiden Fällen ist ein Gang zum Arzt nicht erforderlich (wenn die Patienten nicht schon beim Frauenarzt in Behandlung ist), wurde am Vortag beispielsweise Spargel verzehrt und es liegen keine weiteren Symptome vor, kommt der riechende Urin von dieser Quelle.

Zum Arzt sollte man stattdessen gehen, wenn:
  • Man auf jeden Fall eine Schwangerschaft ausschließen kann und auch weiß, dass der Geruch des Urins nicht auf dem Verzehr von gewissen Nahrungsmitteln basiert
  • Etwa in der Familie Krankheiten bekannt sind, die riechenden Urin auslösen können (Zum Beispiel Diabetes)
  • Sich zum riechenden Urin Symptome wie Fieber, Schmerzen, aber auch vermehrter Harndrang (das Gefühl, ständig auf die Toilette zu müssen) oder ein generelles Unwohlsein vorliegt. Dies können ernste Zeichen diverser Krankheiten sein. In diesen Fällen wird der Arzt unter Umständen eine Urinprobe anordnen, um somit Bakterien oder andere verdächtige Erreger oder Anzeichen für diverse Krankheiten abzuklären.

Somit können die Ursachen von stinkendem Urin sehr vielfältig und vielschichtig ausfallen und lässt sich nicht unmittelbar auf eine schwere Krankheit festlegen. In den meisten Fällen ist der Hintergrund dieser Symptome aber eher harmlos, wohingegen man bei Zweifeln oder zusätzlichen Beschwerden immer einen Arzt konsultieren sollte.

Bildernachweis: Titelbild – Urin Urheber: CC0 Public Domain-Pixabay.com
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Knoblauch und Zwiebeln Urheber: CC0 Public Domain-Pixabay.com
Fieber Urheber: CC0 Public Domain-Pixabay.com

About Andrea Bianchi

Ich bezeichne mich selbst als liberal eingestellten Weltbürger und praktiziere einen staatenlosen Lebensstil. Ich bin leidenschaftlicher, freier Journalist, ehemaliger Sportlehrer und Esse für mein Leben gerne (gesund).