Wirbelblockade – Ursachen und Hilfe

Eine falsche Bewegung kann ausreichen, um einen starken, stechenden Schmerz im Rücken auszulösen. Mit einem Schlag sind manche Bewegungen oder Drehungen des Rückens nicht mehr oder nur unter großen Schmerzen möglich. In den meisten Fällen ist eine Wirbelblockade (oder Wirbelblockierung) für die Schmerzen verantwortlich. Doch wie kommt es zu einer Wirbelblockade, welche Symptome verursacht sie und wie lässt sie sich am besten behandeln? Um diese Fragen zu beantworten, ist es hilfreich, den Aufbau der Wirbelsäule zu kennen.

Hintergrund: Aufbau der Wirbelsäule

Die Wirbelsäule des Menschen besteht aus vielen einzelnen Wirbelknochen, die von Bändern und Gelenken zusammengehalten werden. Diese sogenannten Facettengelenke und die Bänder sorgen dafür, dass die Wirbelsäule beweglich ist und wir beispielsweise unseren Oberkörper nach vorne beugen oder unseren Kopf zur Seite drehen können. Damit die einzelnen Wirbel nicht direkt aufeinanderstoßen, befinden sich zwischen ihnen – wie eine Art Stoßdämpfer – die Bandscheiben. In bestimmten Situationen kann es dazu kommen, dass sich die Wirbel minimal aus ihrer Position heraus bewegen und nicht wieder zurückfinden. Man spricht von einer Wirbelblockade oder Blockierung.

Ursachen einer Wirbelblockade

Eine Wirbelblockade kann die unterschiedlichsten Ursachen haben.

Die häufigsten davon sind:
  • Überdehnung der Bänder
  • Verschleißerscheinungen der Bandscheiben
  • Austritt von Bandscheibenflüssigkeit
  • Verkrampfung der Rückenmuskulatur
  • einseitige Muskelverspanungen durch Überlastung
  • schnelle, ruckartige (evtl. drehende) Bewegungen
  • lange einseitige Haltungen (Beispiel: schlechte Schlafposition)
  • Deformation der Wirbelsäule oder Hüfte
  • Erkrankungen der Nerven in der Nähe der Wirbelsäule

Alle diese Faktoren können dazu führen, dass sich einzelne Wirbel in ihrer Position verschieben und sozusagen aus dem Gelenk “ausrenken”. Im Idealfall ist die Ursache der Blockierung bekannt, so dass sie behoben und dadurch zukünftige Blockierungen vermieden werden können.

Wirbelblockaden behandeln
Klären Sie die Ursache mit einem Facharzt ab / Bild: Urheber: wavebreakmediamicro / 123RF

Folgen eines blockierten Wirbels

Auch wenn eine Wirbelblockade ein harmloses Ereignis ist, geht sie in der Regel mit starken Schmerzen einher. Es beginnt mit einem stechenden Schmerz in der betroffenen Region, kann aber schnell in andere Regionen wie Hüft- und Lendenbereich ausstrahlen. Oft ist auch der Ischiasnerv betroffen, was dazu führt, dass die Schmerzen bis in das Bein reichen.

Neben den Schmerzen sind Bewegungseinschränkungen die Hauptsymptome einer Wirbelblockade. Sie sind jedoch eher eine indirekte Folge, denn die Schmerzen führen oft dazu, dass Betroffene automatisch eine Schonhaltung einnehmen, um die Schmerzen zu minimieren. Diese Schonhaltung kann jedoch auf Dauer zu Verkrampfungen und Verspannungen der Muskulatur führen. Außerdem werden Bewegungen vermieden, die sehr schmerzhaft sind. Tritt die Wirbelblockade im Bereich der Halswirbelsäule auf, kommt es häufig zu starken Nacken-, Schulter- und Kopfschmerzen. Vor allem bei Kopfbewegungen werden diese Schmerzen stärker und können bis in die Arme ausstrahlen. Ein solch ausstrahlender Schmerz in die Extremitäten kann ein Hinweis darauf sein, dass Nerven abgeklemmt sind.

Gleiches gilt auch für ein Kribbeln oder ein Taubheitsgefühl in Armen oder Beinen – in diesen Fällen ist umgehend ein Arzt aufzusuchen!

Übrigens: Wird eine Wirbelblockade über einen längeren Zeitraum hinweg nicht behandelt, kann sich eine Schon- oder Fehlhaltung einschleichen, bei der die Muskulatur einseitig überdehnt und auf der anderen Seite verkürzt wird. Dies kann dazu führen, dass die Schmerzen chronifizieren und Betroffene dauerhaft auf Schmerzmittel zurückgreifen.

Darüber hinaus sind noch weitere Folgen einer Wirbelblockade möglich. Je nachdem, wo sich die Blockierung befindet, treten unterschiedliche Symptome auf. Blockaden im Bereich der Halswirbelsäule können beispielsweise auch mit Ohrenschmerzen, Bluthochdruck, Schwindel oder starker Müdigkeit einhergehen. Blockierungen im Bereich der Brustwirbelsäule können dagegen auch Atembeschwerden, Herz-Kreislauf-Beschwerden oder Hautkrankheiten zur Folge haben. Bei Wirbelblockaden im Bereich der Lendenwirbelsäule können wiederum Magen- und Wadenkrämpfe, Verdauungsprobleme oder Blasenleiden auftreten. Die unterschiedliche Symptomatik kann dazu führen, dass die Wirbelblockade nicht direkt als solche erkannt wird.

Was ist zu tun?

In den meisten Fällen klingen die Beschwerden zwar auch ohne Behandlung nach einigen Tagen ab. Bei unerträglich starken Schmerzen, über mehrere Tage anhaltenden Beschwerden oder dem Verdacht auf eine ernste Erkrankung, ist es jedoch ratsam, zur weiteren Abklärung einen Arzt aufzusuchen.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, eine Wirbelblockade zu behandeln. Die mit Abstand beste Methode eine Wirbelblockade zu lösen und den Wirbel wieder in die richtige Position zu bringen, ist Bewegung. Obwohl manche Bewegungen schmerzhaft sind, raten Ärzte einstimmig und dringend von einer Schonhaltung oder gar Bettruhe ab. Durch die gezielte Bewegung finden Wirbel oft ganz alleine wieder in die richtige Position zurück – diese natürliche Methode ist allen anderen Methoden vorzuziehen. Sie ist nämlich nicht nur eine effektive Behandlung, sondern zugleich auch die beste Prävention, um zukünftigen Wirbelblockierungen vorzubeugen. Um die schmerzhaften Muskelverspannungen zu lösen, sind Wärmeanwendungen zu empfehlen. Diese können entweder in Form von Wärmflaschen oder Körnerkissen oder als Wärmepflaster oder -cremes eingesetzt werden.

Ursachen und Behandlung von Wirbelblockaden
Schmerzmittel sollten keine Dauerlösung sein / Bild: Pixabay.com/de – jarmoluk

Schmerzmittel und Rückenschule

In manchen Fällen dauert die Wirbelblockade allerdings schon sehr lange an oder tritt immer wieder auf. Wenn sich hierdurch inzwischen bereits massive Muskelverspannungen gebildet haben, kann oft nur ein entsprechendes Schmerzmittel oder ein Medikament zur Muskelentspannung helfen. Diese Mittel, die oft als Injektion verabreicht werden, stellen sozusagen überhaupt erst die Voraussetzungen für eine weiterführende Behandlung dar. Diese Behandlung besteht im Idealfall in einer Stärkung der Rückenmuskulatur und wird beispielsweise im Rahmen einer Rückenschule durchgeführt. Ziel ist es, dass Betroffene lernen, wie sie sich am besten bewegen können, um ihren Rücken zu entlasten und die Rückenmuskulatur zu stärken. Unterstützt werden kann die Rückenschule durch professionelle Massagen und Physiotherapie, bei der Gelenk und Bänder gelockert und gedehnt werden.

Physiotherapie und Manuelle Medizin

Im Rahmen der Chiropraktik beziehungsweise der Manuellen Medizin werden grundsätzlich zwei Behandlungsansätze für Wirbelblockaden unterschieden: Mobilisation und Manipulation. Bei der Mobilisation wird die Muskulatur im betroffenen Wirbelsäulenbereich gedehnt. Diese Dehnung kann entweder durch den Therapeuten (passiv) oder durch den Patienten selbst unter Anleitung des Therapeuten (aktiv) erfolgen.

Bei der Manipulation löst der Therapeut die Wirbelblockade durch einen kurzen Bewegungsimpuls, der im Volksmund oft als “Einrenken” bezeichnet wird. Dabei entsteht ein typisches Geräusch, das sich ähnlich anhört wie das Geräusch beim Finger- oder Schulterknacken. Wichtig: Eine solche Manipulation darf ausschließlich von einem speziell hierfür ausgebildeten Therapeuten oder Arzt vorgenommen werden!

Wissenschaftliche Studien konnten zwar bislang keinen eindeutigen Vorteil der Manuellen Medizin gegenüber konventionellen Behandlungen nachweisen, aber diese Behandlung scheint auch nicht weniger effektiv zu sein. Ob jemand seine Wirbelblockade auf diese oder eine andere Art behandeln lassen möchte, liegt also im eigenen Ermessen beziehungsweise sollte mit dem zuständigen Hausarzt besprochen werden.

Wirbelblockade: Das Wichtigste auf einen Blick

  • Eine Wirbelblockade kann verschiedene Ursachen haben.
  • Sie geht mit starken Schmerzen und Bewegungsbeeinträchtigungen einher.
  • Je nach Bereich sind noch weitere Symptome möglich.
  • Eine schnelle Behandlung ist wichtig, um eine langfristige Fehlhaltung und eine Chronifizierung der Schmerzen zu verhindern.
  • Ebenfalls hilfreich bei der Behandlung sind Wärmeanwendungen, Schmerzmittel, Rückenschule, Physiotherapie und Manuelle Medizin.
  • Das A und O für die Behandlung und Prävention einer Wirbelblockade ist Bewegung.

Titelbild: Urheber: hubis / 123RF

About Andrea Bianchi

Ich bezeichne mich selbst als liberal eingestellten Weltbürger und praktiziere einen staatenlosen Lebensstil. Ich bin leidenschaftlicher, freier Journalist, ehemaliger Sportlehrer und Esse für mein Leben gerne (gesund).